Review "The Spirit of Kaizen"
Ich habe The Spirit of Kaizen von Robert Maurer gelesen – ein starkes Plädoyer dafür, wie nachhaltige Veränderung durch winzig kleine Schritte entsteht. Maurer zeigt, wie unser Gehirn vor großen Veränderungen zurückschreckt und wie wir diesem Widerstand begegnen, indem wir so klein starten, dass es fast keinen Mut benötigt. Für alle, die Gewohnheiten aufbauen oder große Ziele erreichen wollen: Dieses Buch bietet eine einfache, aber transformative Denkweise, die im Job und im Alltag wirksam ist.
Über den Autor
Dr. Robert Maurer ist klinischer Psychologe, der an der UCLA und der University of Washington Schools of Medicine lehrt und Gründer des Beratungsunternehmens „The Science of Excellence“ ist. Er verbindet Psychologie mit praktischen Strategien zur kontinuierlichen Verbesserung und berät Organisationen und Einzelpersonen weltweit darin, wie man Veränderungen nicht nur initiiert, sondern auch nachhaltig etabliert.
Worum geht es im Buch?
The Spirit of Kaizen erklärt, wie echte Veränderung nicht durch große, einschüchternde Schritte entsteht, sondern durch winzige, konsequente Verbesserungen – inspiriert von der japanischen Kaizen-Philosophie der kontinuierlichen Verbesserung. Maurer zeigt, warum unser Gehirn vor großen Veränderungen zurückschreckt und wie kleine Schritte diesen Widerstand umgehen, sodass Gewohnheiten wachsen und große Ziele erreicht werden.
Neben der Philosophie der kleinen Schritte greift Maurer noch einen weiteren Punkt auf: Kreativität ist keine Fähigkeit, die man hat oder nicht, sondern eine Aktivität. Wie jede Aktivität kann sie trainiert und mit der richtigen Aufmerksamkeit verbessert werden. Dabei gilt es, die Aufmerksamkeit auf die alltäglichen kleinen Dinge zu richten. Ganz im Sinne der 1%-Methode.
Was ist daran toll?
Das Buch liefert eine pragmatische, leicht verständliche Anleitung zur Veränderung im Alltag, in der Arbeit und in der Führung. Die Idee, Angst vor Veränderung zu umgehen, indem man so kleine Schritte wählt, dass sie unser „Alarmzentrum“ nicht auslösen, ist kraftvoll und sofort anwendbar. Zudem liefert Maurer zahlreiche Beispiele dafür, wie Kaizen sowohl im persönlichen Leben als auch in Teams echte Wirkung entfaltet.
Ich habe beim Lesen direkt Ideen entwickelt. Zwei Beispiele aus verschiedenen Bereichen:
- Die Süßigkeiten nicht im Keller in der Nähe des Heimkinos zu verstauen, sondern auf dem Dachboden – ich bin gespannt, wie sich das auf mein Naschverhalten auswirkt.
- Meinen Jahresvorsatz aufzuschreiben und eine dazugehörige Frage präsent zu positionieren: Was kann ich heute tun, um ein weiteres Experiment voranzubringen?
Das beste Zitat und was daran besonders ist
These steps are so small that they may seem useless, but that’s why they work. If the amygdala is like an alarm system, small steps are like cat burglars… Your alarm never goes off
Dieses Bild macht greifbar, warum kleine Veränderungen oft effektiver sind als große – sie umgehen Widerstand und öffnen Raum für Kreativität und Wachstum. Mit den kleinen Schritten – selbst Stolpern ist ein Schritt – bewege ich mich voran und komme an; im Gegensatz zu einem großen Schritt, den ich nie wagen würde.
Was habe ich gelernt?
Veränderung benötigt keine riesigen Vorsätze. Wenn ich meine Ziele in minimale, nicht bedrohlich wirkende Schritte zerlege, verliere ich weder den Mut noch die Motivation. Durch regelmäßig kleine Verbesserungen wird mein Denken flexibler und meine Gewohnheiten stabiler.
Die Theorie klingt überzeugend, wirkt für mich jedoch wie Bremsen. Doch es reicht, mich daran zu erinnern, warum ich prokrastiniere: Ich will dem Gefühl entgehen, das die Aufgabe in mir hervorruft. Und genau das meint Maurer. An dieser Stelle setzt Kaizen an. Ich habe mir fest vorgenommen, noch viel kleinteiliger zu denken. Hauptsache, der erste Schritt ist gemacht.
Neben Kaizen gibt es weitere Ansätze aus Japan, etwa Wabi-Sabi oder Ikigai, um nur ein paar zu nennen. Ich habe in meinem Newsletter #010 im Kontext von Overthinking darüber geschrieben. Denkmuster wie Kaizen helfen mir in diesem Zusammenhang.
Warum sollte jede:r das Buch lesen?
Weil es ein Grundverständnis dafür vermittelt, wie Veränderung wirklich funktioniert – nicht durch Druck und große Schritte, sondern durch sanfte, kontinuierliche Bewegung. Für Menschen, die feststecken oder große Ziele haben, aber nie den ersten Schritt machen, ist das ein echter Game-Changer.
Mit meinem Vorsatz, 2026 mehr Experimente zu wagen, Dinge auszuprobieren und auf den Zug „passives Einkommen“ aufzuspringen, heißt es: Raus aus der Komfortzone. Nicht mit einem großen Sprung, sondern mit vielen kleinen Schritten. Wenn du auch an so einem Punkt stehst, ist das Buch eine Leseempfehlung.
Kleine Schritte oder große Vorsätze?
Kaizen stellt unsere Vorliebe für radikale Veränderungen infrage. Dieses Buch ist genau dein Gegenpol zu Neujahrsvorsätzen und Transformationsprogrammen. Lies es – und entscheide dich.
Jeden Tag 1 % besser werden oder einmal im Jahr alles umkrempeln?