Story der Woche 02

Ein leerer Schreibtisch, zu viele Ideen und die Angst, falsch anzufangen. In dieser Story der Woche geht es um Prokrastination aus Selbstschutz, um kleine Schritte statt großer – und darum, wie aus der Frage „Womit fange ich an?“ langsam eine Vision entsteht.

3 Minuten
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Zu viele Optionen, zu wenig Klarheit

Ich sitze in meinem Kellerbüro. Vor mir keine konkrete Aufgabe, sondern ein diffuses Ziel: „Ersten Kurs vorbereiten.“ Ein Satz, der harmlos klingt, aber ein ganzes Gedankenkarrussell auslöst. Git? TypeScript? Node.js? Oder doch etwas gänzlich anderes? Alles fühlt sich gleichzeitig richtig und falsch an.

Seit Wochen begleitet mich dabei ein Gespräch aus dem Dezember. Das mit Simone Maader. Es hallt nach, weil es weniger Antworten geliefert hat als vielmehr gute Fragen. Fragen nach Zielgruppe, Haltung und dem Warum hinter dem eigenen Tun.

Eine Entscheidung habe ich immerhin getroffen: Meine Inhalte werden ausschließlich auf Deutsch sein. Kein internationales Publikum, kein Reichweiten-Shortcut. Eine bewusste Begrenzung. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist die Hürde groß. Die Angst, es nicht hinzubekommen, sitzt mit im Raum.

Also passiert das, was passieren musste. Ich prokrastiniere. Nicht aus Faulheit, sondern aus Selbstschutz. Ich will dem Gefühl entkommen, das die Erstellung von Kursen in mir auslöst. Unsicherheit, Zweifel, Erwartungsdruck. Absolut menschlich.

Kleine Schritte statt großer Sprünge

Mir wird klar: Ich benötige Zeit. Und einen Ansatz, der mich nicht mit Anlauf aus meiner Komfortzone katapultiert. Parallel dazu lese ich „The Spirit of Kaizen“. Und wie so oft hilft mir ein Buch genau dann, wenn ich es benötige.

Daraus entstehen zwei konkrete Ideen. Die erste: Ich reduziere radikal. Kein Kurs, keine Struktur, kein Curriculum. Stattdessen YouTube Shorts. 20 Sekunden. Kleine Videos, in denen ich erkläre, welche IDE-Shortcuts ich nutze – und warum sie mir den Alltag erleichtern. Überschaubar. Machbar. Kein Monsterprojekt.

Der zweite Ansatz nennt sich „Mental Sculpting“. Ich beginne mir regelmäßig vorzustellen, wie es sein wird, diese Inhalte aufzunehmen. Nicht perfekt, nicht fertig, sondern einfach im Tun. Die Kamera an, die Stimme hörbar, der Gedanke ausgesprochen. Das Ziel: Das Unbekannte vertrauter machen.

Ein Gedanke wächst

Neben diesen beiden Impulsen schiebt sich ein weiterer Gedanke in den Vordergrund: Wofür das Ganze eigentlich? Was ist die Vision hinter all dem? Ich beginne, größer zu denken. Nicht im Sinne von Reichweite oder Umsatz, sondern im Sinne von Wirkung.

Statt eines Tages als Dozent an einer Uni oder Fachhochschule zu stehen und ein einzelnes Fach zu unterrichten, entsteht eine andere Idee: Ich baue meinen eigenen Studiengang auf. Einen, der nicht an Prüfungsordnungen hängt, sondern an der Realität. Die Absolvent:innen dieses Gedankens sehe ich klar vor mir. Menschen, bei denen ich sofort denke: So jemanden würde ich einstellen.

Wenn Ziele ihre Form ändern

Das Unwohlsein bleibt. Der Gedanke, einen Kurs aufzunehmen und zu veröffentlichen, fühlt sich weiterhin unbequem an. Aber er hat jetzt einen Kontext. Einen, der erklärt, warum es sich für mich lohnt, diese Komfortzone zu verlassen.

Mein Ziel hat sich verschoben. Es geht nicht mehr darum, einen Kurs zu erstellen und Geld zu verdienen. Es geht darum, zu wachsen. Ins Tun zu kommen: Bewegung statt Perfektion.

Diese Studiengangsidee ist noch eine zarte Pflanze. Sie benötigt Raum, Zeit – und vor allem einen ersten kleinen Schritt. Dieser Schritt ist mit dieser Story der Woche getan. Ich schreibe darüber. Die Idee ist nicht mehr nur in meinem Kopf.

Kurs oder Komfortzone?

Wir sagen oft, dass wir etwas erschaffen wollen. In Wahrheit wollen wir häufig nur das gute Gefühl, schon fertig zu sein. Wachstum fühlt sich unbequem an. Ergebnisse fühlen sich sicher an. Wofür entscheidest du dich gerade?

Bleibst du in der Komfortzone – oder gehst du den ersten kleinen, unfertigen Schritt?
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