Newsletter 005 - Zusammenhang von Lernen und Soft-Skills

Vom Bildungswesen über Fehlerkultur zu Lernmethoden – meine Gedanken zu diesen Themen und die Rolle von Soft-Skills.

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Beim Surfen durch die sozialen Medien – bei mir ist das hauptsächlich LinkedIn – stoße ich immer wieder auf bemerkenswerte Zusammenfassung komplexer Themen als Infografik oder Sketch-Notes. Darin werden spannende Sachverhalte, Theorien, Methoden und Weisheiten auf ein absolutes Minimum an Information heruntergebrochen und die Kernaussage auf eine einprägsame Art und Weise verdeutlicht. Ich habe mir die Angewohnheit gemacht, davon Screenshots zu erstellen und in meinem Fotoalbum zu speichern … und dort lagen einige seit nun mehr als sechs Jahren.

Die Sichtung hat mir gezeigt, welche Schätze darin schlummern, und diese möchte ich zusammen mit euch bergen. Dazu habe ich Themenschwerpunkte gebildet, die ich in den kommenden Newslettern behandele. Wir starten mit dem Grund, weswegen ich die Screenshots überhaupt erst gemacht habe – dem Lernen.

Bildungswesen

Beim Thema Lernen denke ich zuerst an die Schule. Ich denke zurück an meine Zeit und vergleiche diese mit den Berichten meiner Kinder heutzutage. Und grundlegend hat sich nichts geändert. Das heißt, die Diskrepanz zwischen Schul- und Arbeitsalltag in Bezug auf Lernen ist so groß wie eh und je. Besonders treffend verdeutlicht dies die nachfolgende Grafik:

Credit: @https://afabrega.com

Ich erwarte von meinen Kollegen, Partnern und Teams selbstständiges Denken und Handeln. Agile Teams sollen "empowered" sein. Das genaue Gegenteil lernen die Kinder in der Schule. In diesem Youtube-Short bringt es Frau Birkenbühl treffend auf den Punkt. Wie sollen Kinder, die nichts anders gelernt haben, als Anweisungen zu befolgen, plötzlich anders handeln, wenn sie aus der Schule kommen?

Fehlerkultur

In diesem Zusammenhang schneidet das Video ein weiteres Thema an: Fehlerkultur. Die obige Grafik verdeutlicht dies im rechten Abschnitt: Fail → Learn. Bekanntlich lernen Menschen am besten – und aus meiner Sicht nur – wenn sie Fehler machen. Wiederhole ich etwas fehlerfrei, vertiefe ich es oder lasse es zur Routine werden (notwendig beim Leistungssport). Wirkliches Lernen im Sinne von "neue Fähigkeiten entwickeln" ist dies nicht.

Quelle LinkedIn Article

Die in Deutsch/Englisch gehaltene Übersicht zeigt 16 mögliche Reaktionen auf Fehler. Einige sind lösungsorientiert (z. B. Resolve, Trace oder Project), andere finden ihre Ursache in einer toxischen Umgebung (z. B. Blame, Deny). Allen Reaktionen gemein ist, dass sie gelernt werden. Und das ist das Gute. Wir können und müssen zum einen unseren Kindern den gesunden Umgang mit Fehlern beibringen und zum anderen können wir dieses später in unserem Arbeitsumfeld ebenfalls tun, indem wir Verhalten vorleben und mit gutem Beispiel vorangehen. Dieses Verhalten – diese Soft-Skills – machen aus meiner Sicht den Unterschied aus, mit wem ich zusammenarbeiten möchte.

Soft-Skills

Dieser Gedanke leitet über zu der Frage, was wir lernen sollten? Welche Schwerpunkte legen wir? Ich habe im oberen Abschnitt meine Sicht angedeutet und finde den Blickwinkel in nachfolgender Auflistung wieder:

Quelle Instagram justinwrt

Natürlich bin ich dank meiner Hardskills Experte in einem (oder mehreren) Gebieten. Jedoch bin ich überzeugt, dass meine Expertise umso wertvoller ist, je ausgeprägter meine Fähigkeiten aus der Liste sind. Spätestens wenn ich das Fachgebiet wechsle oder in eine Führungsposition komme, rücken die Hardskills in den Hintergrund und die Relevanz der Soft-Skills wächst, bis es ausschließlich um Soft-Skills geht. Diesen Aspekt werde ich in einem späteren Newsletter zum Thema Leadership vertiefen.

Persönliche Weiterentwicklung

Das eine ist zu wissen, dass die Soft-Skills notwendig und sinnvoll sind, das andere ist sie zu erwerben – nur wo und wie starten? Hierzu habe ich eine Liste mit passenden Buchempfehlungen, TED Talks und Kursen gefunden. Hier findest du einen idealen Startpunkt auf deiner Lernreise:

Quelle LinkedIn article by Reno Perry

Lernmethodik

Das viele Wissen gilt es nicht nur einmalig zu studieren, sondern langfristig abzurufen und anzuwenden. Anwenden zwingt zum intensiven Auseinandersetzen mit dem Stoff – oberflächliches, auswendig gelerntes Halbwissen reicht nicht aus. Zum Glück gibt es einige Methoden, die je nach Lerntyp passend sind und sich bewährt haben, um das Wissen abzurufen. Das nachfolgende Cheat Sheet fasst die Methoden kurz zusammen.

Quelle LinkedIn Artikel von "Business Knowledge" Credits an Dr. Christian Poensgen

Dunning-Kruger-Effekt

Beim Einstieg in neue Themengebiete ist es wichtig, sich des Dunning-Kruger-Effekts bewusst zu sein. Laut Wikipedia bezeichnet der Effekt

das Phänomen, dass Menschen mit geringer Kompetenz dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, da sie nicht in der Lage sind, ihre eigenen Defizite zu erkennen. Namensgebend sind die Psychologen David Dunning und Justin Kruger, die den Effekt 1999 erstmals beschrieben

Das erdrückende Gefühl aus dem Tal der Verzweiflung kennt sicherlich jeder, der sich tiefer in ein Thema eingearbeitet hat. Die schier endlose Menge an Fragen, die sich aus dem Erlernten ergeben. Aus meiner Sicht ist dies ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass der initiale Gipfel erklommen und überwunden ist.

Quelle Wikipedia

Fazit

Der Ausflug vom Bildungswesen, Fehlerkultur und Soft-Skills zu Lernmethoden zeigt, wie vielfältig das Thema Lernen ist. Allem zugrunde liegen die Soft-Skills, die es erlauben, wirklich gute Teams zu bilden und sich in diesem Umfeld weiterzuentwickeln. Abschließen möchte ich, womit ich angefangen habe: dem Bildungswesen. Die Karikatur verdeutlicht meinen Eindruck unseres Bildungswesens vortrefflich:

Autor: Hans Traxler (*1929), Quelle: betrifft : erziehung, Juli-Heft 1975

Nächste Schritte

Der Transfer in den Arbeitstag eines Technik-Teams ist noch eine ganz andere Herausforderung. Hierbei bin ich über die Samman-Methode gestolpert, deren Einsatz ich gerne erleben würde.

Quelle Typefully – Wisen Tanasa

Bei diesem Ansatz arbeiten technische Trainer mit Softwareentwicklungsteams zusammen, um bessere Coding-Praktiken einzusetzen. Der Fokus liegt auf iterativen und inkrementellen Entwicklungspraktiken – es klingt sehr spannend. Wenn ihr darin Erfahrung gesammelt habt, schreibt mir gerne. Ich würde gerne mehr darüber wissen.

Link Empfehlungen

Link 1: 4 Stunden Arbeitstag - Ein anderer Bllickwinkel

In dem Artikel The Minimalist Productivity System (6 Years Of Work In 6 Months) beschreibt Dan Koe seinen Ansatz, um viel in wenig Zeit zu schaffen. Seine Kernthese lautet, dass Ruhe und Fokus Voraussetzung für effektives Arbeiten sind. Die Ruhe schafft Raum, um auf Gedanken zu kommen, die Arbeit einzusparen und so den Einsatz gemäß seiner Aussage von 6 Jahren auf 6 Monate zu reduzieren. Provokant und deswegen lesenswert.

Link 2: User-Case für das Map-Pattern in Typescript

Der Medium-Artikel zeigt anhand eines übersichtlichen Typescript Beispiels, wann das Map-Pattern anstelle einer fest definierten Liste von Key-Value-Werten verwendet werden soll. Das Hauptziel ist sauberer Code, Wartbarkeit und das Open-Closed-Principal.

Server Side Stories

Seit dem letzten Newsletter sind zwei weitere Folgen meines Podcasts "Server Side Stories" herausgekommen. Details findest du hier:

  • Episode 9: Unser Kirby Dev Set-up – Kirby ist ein Flat-File-CMS, das sich besonders durch seine Flexibilität und Geschwindigkeit auszeichnet. Es speichert Inhalte nicht in einer Datenbank, sondern in einfachen Textdateien. Ich erkläre mit Maurice, warum für uns Kirby oft die beste Wahl für Kundenprojekte ist.

  • Episode 10: Tailwindcss vs. CSS – Stellt euch vor, ihr könntet eine optisch ansprechende Webseite bauen, ohne jemals eine Zeile CSS zu schreiben. Genau das verspricht Tailwindcss. Aber kann das wirklich funktionieren? Und was bedeutet das für klassische CSS-Ansätze?

Abonnieren kannst du den Podcast bei Spotify und Apple Podcast.

Ausblick

Im ersten Teil der Serie habe ich meinen Blick auf das Thema
Lernen geteilt. Nachdem wir viel Wissen erworben und unsere Soft-Skills trainiert haben, folgt als nächster Schritt entweder die Bewerbung für den Traumjob oder die Suche nach Mitstreiter:innen für die eigene Unternehmung – es gilt den Blick auf das Jobinterview aus Sicht eines Arbeitnehmers und Arbeitgebers zu werfen. Dazu mehr im kommenden Newsletter Mitte April.

Vielen Dank, dass du meinen Newsletter liest.

All the best – Mark

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